Klimaziele und ihre Auswirkungen auf die Thermoprozessindustrie

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Mit dem Begriff Klimaziele wird das Jahr 2050, die Begrenzung der Erderwärmung auf max. 2 Kelvin und die Reduzierung der Treibhausgasemission um 80% bis 95% verbunden. Im Folgenden soll der politische Rahmen und die sich daraus ergebenden möglichen Auswirkungen auf die Thermoprozessindustrie in Zusammenhang gebracht werden.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im September 2015 in New York wurde der Klimaschutz als eines der 17 Nachhaltigkeitsziele festgelegt und damit erstmalig völkerrechtlich festgeschrieben. Mit dem Pariser Klimaabkommen Ende 2015 hat sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Angestrebt werden 1,5 Grad. Mehr als 175 Staaten haben den Klimavertrag 2015 in New York bisher unterzeichnet.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss die Treibhausgasemission weltweit zwischen 2015 und 2060 – nach Ansicht von Experten - auf Null reduziert werden.

Die EU hat ihre Kernziele der Klimapolitik 2020 für das Jahr 2030 korrigiert (Agenda 2030). Neben der Verringerung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40% (gegenüber dem Stand von 1990) und der Deckung des Gesamtenergieverbrauchs zu mindestens 27% aus erneuerbaren Energiequellen, soll die Energieeffizienz um mindestens 27% erhöht werden.
Langfristig hat sich die EU das Ziel gesetzt ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95% gegenüber dem Stand von 1990 zu senken.

Zu den Treibhausgasen werden CO2, CH4, N2O, FKW, H-FKW, SF6 und NF3 gezählt. Die Treibhausgasemissionen werden in CO2e (für equivalent) angegeben.
Alle EU-Mitgliedstaaten müssen bis 2017 nationale Aktionspläne vorlegen, wie ihr Beitrag zu Erfüllung der europ. Klimaziel ist. In Deutschland ist das der Klimaschutzplan 2050.


Welche Auswirkungen haben die gesetzten Klimaziele?

Alle Emittenten von Treibhausgasen (Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Haushalte, Gewerbe-Handel-Dienstleistung, Landwirtschaft und Übrige) sind aufgefordert einen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele zu leisten. Die Anforderungen an diese Sektoren sind national geregelt. Die Zuordnung von Emittenten erfolgt nach dem s. g. Quellenprinzip (am Entstehungsort oder dem Verursacherprinzip). Dem Sektor Industrie sind Emissionen aus Verbrennungsprozessen, Industrieprozessen und Eigenstromversorgung des produzierenden Gewerbes zugeordnet.

Die nachfolgenden Betrachtungen sollen sich auf CO2 als größten Emittenten der Treibhausgase in der Industrie beschränken.
Industrieprozesse: Verfahrenstechnisch bedingt gibt es Produktionsprozesse die viel CO2 emittieren. Als Beispiel seien der Hochofenprozess zur Stahlherstellung und der Brennprozess zur Zementherstellung genannt. Die Betreiber und die Anlagenhersteller sind (umweltpolitisch) gefordert, ihre bestehenden Prozesse unter dem CO2-Gesichtpunkt deutlich zu verbessern oder alternativ – CO2 günstigere – Prozesse zu entwickeln/zu nutzen. Gerade in diesem Segment kommt auf den Bereich der Forschung an Hochschulen/Instituten eine hohe Bedeutung und Verantwortung zukünftig zu.
Verbrennungsprozesse: Es ist davon aus zu gehen, dass mittelfristig die Verbrennung von Braunkohle, Steinkohle und Öl bis auf null reduziert wird und es keine Neuanlagen dieser Art mehr geben wird. Erdgasverbrennung könnte (bei einem Treibhausgasreduzierungsziel von 80%) unter Ausnutzung aller Wärmerückgewinnungs-potentiale möglich sein. Die Verbrennung von Biogasen, die Herstellung von Wasserstoff aus nachhaltigem Strom oder auch Biomethan sind alternative Brennstoffe.

Elektrowärme, hergestellt aus nachhaltigen Quellen, wird von Nachhaltigkeitsexperten als alternative Erwärmung genannt. Dabei wird jeweils vorausgesetzt, dass der grüne Strom zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort vorhanden ist. Von Seiten der Anlagenbauer ist zu prüfen, welche Verfahren und Thermoprozessanlagen auf elektr. Beheizung umgestellt werden können.

Alle oben aufgeführten Szenarien bzw. Perspektiven reduzieren sich auf technische Lösungen zur Erfüllung der Treibhausgasemissionen und lassen die wirtschaftliche Betrachtung außer Acht. Nicht betrachtet sind auch die sich ergebenden Änderungen aus der Abnehmerbranche der Thermoprozessanlagenbauer und der Endverbraucher aus Industrie, Gewerbe und privaten Abnehmern.

Die vorgenannten Betrachtungen sind das Ergebnis aus vielen Gesprächen und Sitzungen des Autors mit Anlagenbauern, Betreibern, Wissenschaftlern und Nachhaltigkeitsexperten. Erst nach 2050 wird man wissen, wie und ob das Treibhausgasemissionsziel und damit die Verringerung der Erderwärmung erreicht worden ist.

Die Thermoprozessanlagenhersteller incl. deren Komponentenhersteller sind - nicht nur nach Meinung des Autors - in der Lage die Herausforderungen der Zukunft zu lösen und einen deutlichen Beitrag zur Erfüllung der Treibhausgasemissionen beizusteuern.